Einst war der Vulkan über 5.000 Meter hoch, ist nach einem verheerenden Ausbruch im 14. Jahrhundert aber in sich zusammengefallen. Es war dies der gravierendste Ausbruch des Jahrhunderts mit Ascheregen bis zu den Polen.

Deshalb dürfen wir am zweiten Tag der Tour “nur“ etwa 1.100 Höhenmeter bewältigen. Um 2 Uhr nachts werden wir von unserem Guide Ali mit Tee und Bananenbrot geweckt. Es war eine kurze Nacht, vor allem, da wir durch die dünne Unterlage jede Unebenheit im Boden gespürt haben. Doch die Vorfreude überragt die Müdigkeit.

Rein in die nassen, eiskalten Turnschuhe. Kurz vor 3 Uhr beginnen wir die Besteigung des Mt. Rinjani, vor uns bereits eine Kolonne von Gipfelstürmern, sodass es bereits an der ersten kniffligen Stelle staut. Wo möglich versuchen wir uns vorbei zu kämpfen, in der Dunkelheit sehen wir aber häufig die alternativen Routen nicht und folgen den vorausgehenden Lichtern.

Nach dem ersten steilen Teilstück geht es erstmal etwas flacher am Kraterrand entlang. Durch den Regen am Vortag ist der schwarze Vulkansand aber trotzdem sehr rutschig. Irgendwann bemerke ich, dass ich meine Kollegen abgehängt habe. Jetzt packt mich der Ehrgeiz und ich drücke aufs Gas. So gut es eben geht. Denn der letzte Abschnitt ist wieder sehr steil, sodass man bei jedem Schritt auf dem lockeren Untergrund wieder einen halben Schritt zurück rutscht. Als würde man über feinen Sandstrand laufen, nur eben bergauf. Zudem schwindet die Kraft in den Beinen so langsam, sodass das oberste Ziel ist, sich nicht hinzulegen.

Wie im Tunnel marschiere ich weiter, mit dem Ziel, keine Pause mehr einzulegen. Knapp unterhalb des Gipfels schimmert plötzlich etwas Weißes aus dem schwarzen Geröll hervor. Hier liegt tatsächlich das komplette Skelett eines Affen mitten auf dem Weg.

Kurz danach erreiche ich den Gipfel des 3.726 Meter hohen Vulkans. Zweieinhalb Stunden stets bergauf, über mehr als holprigen Untergrund. Hoffentlich ergattere ich noch einen guten Platz für den Sonnenaufgang. Aber entgegen aller Erwartungen komme ich als fünfter oben an. Wo sind die ganzen Leute geblieben, die, als wir gestartet sind, schon den ersten Anstieg überwunden hatten? Wahrscheinlich habe ich sie beim Überholen in der Dunkelheit nicht gesehen. Denn auch die zwei Jungs aus Kalifornien hatte ich vor mir vermutet.

Platz 5 der offiziellen Gipfelerklimmer 2018, denn es ist dies der erste Tag dieses Jahres, an dem der Mt. Rinjani offiziell geöffnet ist. Der Nachteil ist aber, dass ich jetzt bei eisigem Wind friere, bis die Sonne zum Vorschein kommt. Und dies dauert fast eine Stunde. Inzwischen ist unsere Gruppe fast komplett oben angekommen und freut sich über den Erfolg. Nur unser Guide hinkt, wie auch schon am Vortag, ziemlich hinterher. Dann erhellt sich der Horizont, gelb, orange, rot.

Der Feuerball erhebt sich über den Wolken. Die ersten Sonnenstrahlen erwärmen unsere Haut. Die Freude ist allen ins Gesicht geschrieben. Oberstes Ziel: Nicht allzusehr zittern beim Fotos schießen. Am besten nur ein paar Schnappschüsse und dann den Moment genießen.

Der Weg nach unten fühlt sich dann eher wie eine Surfstunde an. Einmal anschubsen und sich auf dem Geröll treiben lassen. Macht eigentlich ziemlich Spaß und mir wird dabei schnell wärmer. Inzwischen liegt auch der Kratersee in der Sonne und bietet ein tolles Bild.

Am Zeltplatz gibt’s dann Pfannkuchen und Tee. Inzwischen ist es heiß in der Sonne. Danach beginnen wir auch schon den dreistündigen Weg zum Kratersee hinunter. Die teilweise sehr hohen Stufen machen es den Knien und Oberschenkeln nicht einfach. Ein Stück am See entlang, dann gibt’s Mittagessen. Während die Träger dies noch zubereiten, kühlen wir uns im kalten Wasser ab und betrachten den Vulkankegel in der Mitte des Sees. Der Mount Barujari ist immer noch aktiv und Rauch steigt aus dem Krater.

Nach dem Lunch geht’s dann wieder aufwärts. Schwitzen ist wieder angesagt und die Beine sind auch nicht mehr ganz frisch. Unsere Träger dagegen haben damit anscheinend keine Probleme. Sie marschieren unaufhaltsam weiter in ihren Flip-Flops, über teils senkrechte Stufen. Unglaublich.

Auf dem gegenüberliegenden Kraterrand bauen sie dann unser Nachtlager auf, während wir noch den wunderbaren Blick auf den See genießen. Nach dem Sonnenuntergang und Abendessen legen wir uns auch schon schlafen. Es war ein langer und anstrengender Tag. Insgesamt haben wir 14km in etwa 10 Stunden bewältigt, davon 6km und 1.700 Höhenmeter bergauf.