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Volles Programm in Ninh Binh

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns aus dem Mai Chau Valley und fahren zurück nach Hanoi. Da es bereits spät ist, bleiben wir die Nacht in Hanoi und fahren erst am nächsten Tag weiter nach Ninh Binh.

Dort am Bahnhof angekommen, meistern wir den Fußmarsch zum Kinh Do Hotel, unserer schönsten Unterkunft bisher. An der Rezeption bekommen wir erstmal Tee und Bananen. Die gibt es hier häufig als Zugabe nach dem Essen. Beim Tee kommt auch gleich schon ein lustiger kleiner Herr und stellt uns die Sehenswürdigkeiten rund um Ninh Binh vor. Ohne einmal selbst zu Wort zu kommen buchen wir zwei Tage vollgepackt mit verschiedensten Aktivitäten. Weder die einzelnen Aktivitäten, noch deren Reihenfolge können wir uns einprägen. Aber immerhin die Uhrzeit für den Treffpunkt am nächsten Morgen. 

Den angebrochenen Abend nutzen wir, um uns die Stadt anzuschauen. Verkehr gibt es im Gegensatz zu dem in Hanoi kaum, man kann fast mit geschlossenen Augen die Straße überqueren. Dafür leuchten unzählige Reklametafeln und Lichterketten. Weihnachtlich dekorieren können die Vietnamesen, auch wenn es etwas kitschig ist. Und aus so manchem Lautsprecher, sogar an Straßenlaternen, ertönt laute Musik.

Die Suche nach einem Restaurant zum dinieren gestaltet sich schwierig. Auf die allgegenwertige Nudelsuppe mit allen möglichen Beilagen haben wir mittlerweile keine Lust mehr. Wir landen schließlich im Coffee Phong, wo es zur Abwechslung auch mal europäisches Essen gibt. 

Am nächsten Morgen geht es früh los. Ohne Kaffee! Da kein Fahrer für uns Zeit hat, bringt uns der Hotelbesitzer (oder Tourenverkäufer? Man weiß es nicht…) selbst. Nach 10 Metern hält er an und holt frische Ananas, Mango und Wasser aus dem Kofferraum, unser Frühstück, das wir während der Fahrt genießen. Zum Cuc Phuong Nationalpark führt eine schmale Straße durch wilden Urwald. Dort sehen wir uns zuerst ein Affen- und Schildkrötenschutzzentrum an, bevor es noch tiefer in den Urwald geht. Nach der Besichtigung der Cave of Prehistoric Man steht uns eine zweistündige Wanderung bevor mit viiielen Stufen. Höhepunkt dieses Tracks ist der “1.000 year ols tree“.

Den Abschluss des Tagesprogrammes bildet eine gemütliche Bootsfahrt im Van Long Wetland Nature Reserve. In den Sonnenuntergang rudern lassen, sehr romantisch. Einfach innehalten und den Moment genießen.

Zurück in Ninh Binh machen wir uns wieder auf ins Coffee Phong, wo uns die Gelüste nach bekanntem Essen, nach Pizza, übermannen. Nicht die beste Pizza der Welt, aber sie schmeckt. Wie schon am Vorabend fällt uns ein kleines Mädchen auf, das sich im Restaurant ganz zuhause fühlt und die Gäste unterhält. Es macht Spaß, es zu beobachten und lässt dich alles andere für einen Moment vergessen.

Fahrradtour durch Mai Chau

Nach einer der schlimmsten Nächte meines Lebens und einem dürftigen Frühstück leihen wir uns ein Fahrrad, um die Gegend zu erkunden. Zuerst geht es die Hauptstraße Mai Chaus entlang, links und rechts der Sonntagsmarkt. In der Mitte brausen Mopeds durch, und wir mit unserem wackeligen Drahtesel. Jetzt erleben wir die Straßen von Vietnam erstmals am eigenen Leib. 

In Pom Coong reiht sich ein Homestay ans nächste und jedes einzelne sieht besser aus als das, in dem wir unsere Nacht verbrachten. Egal, die Sonne scheint und wir genießen die Natur. 

Vor und unter den Stelzenhäusern sind Verkaufsstände von Stoffen, Kleidern und den verschiedensten Holzgegenständen. Eine wahre Farbenpracht inmitten der Reisfelder und wild bewachsener Hänge. 

Hier ließe es sich auch gerne länger aushalten aber noch eine so kalte und furchteinflößende Nacht muss nicht sein. In Ninh Binh, unserer nächsten Station, soll es auch schön sein.

Schlaflos in Mai Chau

Auf nach Mai Chau, oder besser gesagt in den kleinen Ort Pom Coong. Dort haben die Bewohner, die großteils Minderheiten angehören und weder englisch noch vietnamesisch sprechen, ein Village von Homestays aufgebaut. 

Schon auf der Fahrt geht es ordentlich zur Sache. Im Bus mit 25 Sitzplätzen stapeln sich 40 Leute, dazu noch das ganze Gepäck. Und zu allem Überfluss wird der Bus auch noch genutzt um sperrige Gegenstände von A nach B zu transportieren.

Eingequetscht geht es durch den chaotischen Verkehr auf Vietnams Straßen, vorbei an Reisfeldern, Mandarinen- und Zuckerrohrplantagen. Samstag scheint in Vietnam Scooter-Waschtag zu sein und am Straßenrand wird überall Obst aus der Region verkauft.

So freuen wir uns, dass wir in Mai Chau endlich mal wieder unsere Glieder von uns strecken können. Es ist bereits dunkel so machen wir uns auf den Weg zum Homestay, das wir im Vorfeld reserviert haben. Am Straßenrand steht eine nette Dame und winkt uns hinein. Leider versteht sie kein Englisch und versucht mit dem Übersetzer auf dem Handy mit uns zu kommunizieren. Komischerweise benötigt sie unseren Reisepass für den Check-In gar nicht. So richten wir unser Nachtlager in einer geräumigen Bambus-Hütte ein. Recht urig. Unter das bestehende Mückennetz hängen wir noch unser eigenes über eine Konstruktion aus Matratzen und Rücksäcken. 

Dann gibt es auch schon Dinner. Gut und mehr als reichlich. Beim Bier danach checken wir nochmals die Buchung und stellen entsetzt fest, dass wir im falschen Homestay sind. Wir haben nicht auf das Schild am Eingang geachtet und die mangelnden Sprachkenntnisse taten ihr übriges. Egal, wir legen uns schlafen. Wobei schlafen übertrieben formuliert ist, denn durch die Hütte zieht ein eisiger Wind, die Wände krachen, als würden sie gleich einstürzen und Tiere und Ungeziefer könnte auch ungehindert ein- und ausspatzieren. 

Deshalb beschließen wir morgens noch vor dem Frühstück, noch am selben Tag abzureisen und nicht wie geplant zwei Nächte zu bleiben. Dank Übersetzer-App schaffen wir es, den Bus für die Rückfahrt reservieren zu lassen.

Das Abenteuer beginnt

So eine lange Anreise ist schon anstrengend. Aufstehen um 4 Uhr nachts, mit dem Zug nach Bologna, wo der Flughafen nicht so einfach zu finden ist, wie man meinen sollte (Beim Buchen des Zuges mit GoEuro besser auf die Station achten und auf dem Weg zum Terminal sich lieber auf Google Maps verlassen als auf andere Reisende). Am Istanbuler Flughafen geht es dagegen sehr entspannt zu, genau wie in Bangkok, wo man nur hinaus geht, damit man von der drückende Hitze wieder zurück in das Terminal geschmettert wird. Dafür bekommt man 30 Tage Visum, obwohl man wenige Stunden später weiter fliegt.

Nach 34 Stunden Anreise, 6 Stunden Zeitverschiebung und einer wagemutigen Taxifahrt kommen wir hundemüde in der Altstadt Hanois an. Verkehrsregeln scheint es keine zu geben. Es wird gehupt und gedrängelt. So passen auch mal gut und gerne vier Autos nebeneinander auf eine zweispurige Straße und daneben bleibt immer noch genug Platz für die Mopeds, um sich vorbeizuschlängeln. Unser Zimmer im Box Hotel Hanoi ist wirklich nur eine Box. Ein Etagenbett, bei dem das obere zu allem Überfluss auch noch zur Seite geneigt ist und daneben kaum Platz für unsere Rucksäcke. Ein Sprung unter die kalte Dusche und auf ins berauschende Nachtleben von Vietnams Hauptstadt. 

Die Kinder in der Beer Street drücken dir schon die Speisekarte ins Gesicht oder wollen dich mit free beer locken (gibt übrigens schlimmeres als vietnamesisches Bier). Essen kann man an jeder Straßenecke, meist auf Plastikstühlen für Kleinkinder. Gekocht wird in  zu Grills umfunktionierten Blecheimern am Straßenrand. Daneben ragen die Hühnerschenkel in die Höhe. Besser nicht zu genau hinschauen! Aber mit ein wenig Glück isst man köstliches Fleisch und Gemüse, das direkt auf dem Tisch gegrillt wird. Und es ist immer richtig was los zwischen den Bars, Restaurants und Straßenverkäufern. Die Stadt lebt. 

Etwas entspannter geht es auf der Halong Bay Cruise zu, allerdings spielt das Wetter nicht ganz mit und so ist die Sicht suboptimal. Auch Kajaking ist nicht unser Ding. Dafür liefert die Rückfahrt mit dem Speedboat einen Adrenalinschub.

Im Vergleich zu Milford Sound in Neuseeland enttäuscht die Halong Bucht jedoch etwas. Weiter geht die Reise in Mai Châu.

Ich bin bereit

Es ist schon ein mulmiges Gefühl, ein Gefühl von Abschied und Aufbruch. Nach sechs Jahren bin ich jetzt arbeitslos. Sechs Jahre lang sind mir meine Arbeitskollegen immer mehr ans Herz gewachsen. Wir waren ein junges Team. Locker drauf, immer einen lustigen Spruch auf Lager, einfach untypische Bänker. Öfters haben wir das ein oder andere Bierchen oder den ein oder anderen Glühwein getrunken. Und sogar zusammen in den Urlaub gefahren sind wir. Wir waren viel mehr als Arbeitskollegen, wir waren – und sind – gute Freunde.

Dann dauert eine kleine Abschiedsfeier von den Arbeitskollegen auch eben mal bis 2 Uhr nachts. In kleiner Runde mit unglaublich spannenden und weltoffenen Diskussionen. Diese Gesprächsrunden vermisse ich jetzt schon… Genauso wie meine Freunde von der Arbeit. Deshalb war der Abschied schon ziemlich sentimental (bis zum dritten Bier…), auch wenn er meinem persönlichen Wunsch nach Veränderung entspricht. Ich glaube jeder Abschied passiert mit einem Beigeschmack von Wehmut.

Doch jetzt überwiegt die Vorfreude auf den kommenden Abschnitt meines Lebens. Die Freiheit, das zu tun, was ich möchte. Meine Reise soll nicht nur ein Aufbruch in eine neue Kultur, eine neue Welt sein, sondern auch ein Sprung meiner Persönlichkeit in neue Sphären. Ich werde meine Seele baumeln und mich inspirieren lassen von der atemberaubenden Natur und der für uns besonderen Lebensweise dieser fremden Kulturen. In wenigen Tagen beginnt dieses Abenteuer und ich kann sagen: Ich bin bereit.

Das Warten auf die Freiheit

Über ein Monat ist bereits vergangen seit dem Entschluss, mein sicheres und komfortables Leben hinter mir zu lassen und damit meine Comfort Zone zu verlassen. Dieses Buch hat mir dabei sehr geholfen: „Die Kunst, anders zu leben: Erschaffe deine eigenen Regeln und führe das Leben, das du dir wünschst“

Aus Rücksicht auf meinen Noch-Arbeitgeber haben wir damals gemeinsam entschieden, dass ich noch zweieinhalb Monate arbeiten sollte (Aufgaben übergeben usw.). Im Nachhinein gesehen ein Fehler. Ich fahre weiterhin Tag für Tag ins Büro und frage mich dabei, was ich hier eigentlich noch mache. Ich könnte genauso gut schon auf den Malediven oder auf Bali am Strand eine Kokosnuss schlürfen.

Dafür habe ich jetzt reichlich Zeit, um den nächsten Abschnitt meines Lebens zu planen. Dieser führt mich im Dezember nach Südostasien. (Dieser Reiseführer deckt ganz Südostasien ab: Lonley Planet: Südostasien für wenig Geld Als einziger!) Der Hinflug nach Bangkok ist gebucht, von da aus werden wir Thailand und Vietnam erkunden. Soweit die Fixpunkte unserer Reise, alles weitere wollen wir vor Ort entscheiden (Kambodscha, Malaysia, Indonesien…?).

So spontan und flexibel wie möglich wollen wir sein. Und doch gilt es im Vorfeld einiges zu planen und zu beachten. Reisepass, Visum, Impfungen. Welchen Rucksack nehme ich, was packe ich hinein? Vergesse ich wohl nichts? Zeit genug zum Überlegen habe ich ja. Dabei steigt nicht nur die Vorfreude, sondern auch die Anspannung. Eigentlich könnte es morgen schon losgehen. Mit dem Kopf bin ich ja eh schon da und versuche mich im Verkehrschaos von Bangkok zurechtzufinden.

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