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Das Warten auf die Freiheit

Über ein Monat ist bereits vergangen seit dem Entschluss, mein sicheres und komfortables Leben hinter mir zu lassen und damit meine Comfort Zone zu verlassen. Dieses Buch hat mir dabei sehr geholfen: „Die Kunst, anders zu leben: Erschaffe deine eigenen Regeln und führe das Leben, das du dir wünschst“

Aus Rücksicht auf meinen Noch-Arbeitgeber haben wir damals gemeinsam entschieden, dass ich noch zweieinhalb Monate arbeiten sollte (Aufgaben übergeben usw.). Im Nachhinein gesehen ein Fehler. Ich fahre weiterhin Tag für Tag ins Büro und frage mich dabei, was ich hier eigentlich noch mache. Ich könnte genauso gut schon auf den Malediven oder auf Bali am Strand eine Kokosnuss schlürfen.

Dafür habe ich jetzt reichlich Zeit, um den nächsten Abschnitt meines Lebens zu planen. Dieser führt mich im Dezember nach Südostasien. (Dieser Reiseführer deckt ganz Südostasien ab: Lonley Planet: Südostasien für wenig Geld Als einziger!) Der Hinflug nach Bangkok ist gebucht, von da aus werden wir Thailand und Vietnam erkunden. Soweit die Fixpunkte unserer Reise, alles weitere wollen wir vor Ort entscheiden (Kambodscha, Malaysia, Indonesien…?).

So spontan und flexibel wie möglich wollen wir sein. Und doch gilt es im Vorfeld einiges zu planen und zu beachten. Reisepass, Visum, Impfungen. Welchen Rucksack nehme ich, was packe ich hinein? Vergesse ich wohl nichts? Zeit genug zum Überlegen habe ich ja. Dabei steigt nicht nur die Vorfreude, sondern auch die Anspannung. Eigentlich könnte es morgen schon losgehen. Mit dem Kopf bin ich ja eh schon da und versuche mich im Verkehrschaos von Bangkok zurechtzufinden.

Auszeit

Tausende Jugendliche und junge Erwachsene nehmen sich nach der Oberschule oder nach dem Studium eine Auszeit, um die Welt zu bereisen. Sie wollen fremde Länder und Kulturen kennenlernen und dadurch sowohl ihre sprachlichen Fähigkeiten, als auch ihren Horizont erweitern und fürs Leben lernen.

Nicht alle haben den Mut und das nötige Kleingeld, sich einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt zu gewähren. Kurz nach Abschluss der Schulausbildung haben die meinsten nur in den Ferien für wenige Wochen gearbeitet und das dabei verdiente Geld war wahrscheinlich schneller weg als gedacht. Deshalb ist es auch nur verständlich, dass viele junge Leute den Weg ins Berufsleben einschlagen und sich auf ihr erstes fixes Einkommen freuen.

Ähnlich war es auch bei mir. Ich habe kurz nach der Oberschule meinen damaligen Wunschberuf gefunden, der mir Spaß gemacht hat und wo ich mich schnell eingelebt hatte. Damals habe ich keinen Gedanken an ein Sabbatjahr, eine Weltreise oder an Work&Traveling verschwendet. Meine Prioritäten waren andere.

Durch Erzählungen von Freunden haben sich die Gedanken daran nach und nach eingeschlichen. Gleichzeitig hat sich im Beruf eine Routine entwickelt, die meine persönliche Entwicklung gebremst hat. Und auch die wenigen Wochen Urlaub haben ihren Effekt verloren, die Freude am Arbeiten wieder zu steigern. Nach fünf Jahren am Schreibtisch kam schließlich der Gedanke, diesen Lebensabschnitt zu beenden.
Ein Jahr habe ich diesen Gedanken in mir getragen und er hat mich fast zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte etwas ändern in meinem beruflichen Dasein, wusste aber keine Alternative, die mir sinnvoll und vor allem erfüllend erschien. Ich habe alle Möglichkeiten gedanklich durchgespielt und mich durch Foren und Fachlektüre gelesen, bis ich schließlich all meinen Mut zusammengenommen hatte zu kündigen.

Das war vor gerade einmal drei Tagen und ich fühle mich seither erleichtert und frei!
Was ich jetzt mache? Meine Auszeit nachholen, gegen die ich mich nach meiner Schulzeit noch entschieden hatte.

Wenn du nach sechs Jahren Bürojob kündigst, ohne neuen Job in Aussicht und vor allem ohne einen wirklichen Plan für die Zukunft, musst du dich aber auf Gegenwind gefasst machen. Kaum jemand in unserer überregulierten und teilweise engstirnigen Gesellschaft wird deinen Schritt gutheißen. Viele werden zwar deine Überlegungen verstehen, nicht aber den Entschluss, das sichere Einkommen aufzugeben. Aber ich bin immer noch relativ jung, habe in den letzten sechs Jahren etwas Geld auf die Seite legen können und bin ungebunden. Ich habe zuhause keine Verpflichtungen, die mich fesseln würden.

Es ist aber viel mehr als das; ein Schritt in die Freiheit. Neben der Freiheit beim Reisen möchte ich aber auch nachher unabhängig sein und das machen, was mir Spaß macht. Denn wahrscheinlich werde ich früher oder später wieder gezwungen sein, Einkünfte zu generieren. Doch das möchte ich machen wo ich will und wann ich will. Und vor allem sollte es mir Spaß machen. Wie mir das gelingen mag, kann ich noch nicht vorhersagen. Aber ich möchte meine Auszeit nutzen, meinen Kopf frei zu kriegen und um mir Gedanken darüber zu machen. Dann wird sich schon etwas ergeben.