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Lebe im Jetzt

Niemand mag Klugscheißer, aber… Ich will euch hier ein paar kleine Tipps geben, die mir das Leben erleichtern, und dir vielleicht auch.


Am Silvesterabend, kurz vor dem großen Knall, hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem anderen Backpacker, den ich gerade mal eine Stunde lang kannte. Er erzählte mir von einem Buch namens “Jetzt“. Es geht darin um eine ganz einfache Einstellung zum Leben. 

Wir alle halten zu sehr an Vergangenem fest. Oder warum sonst laufen so viele Menschen mit der Kamera vor den Augen umher? (Und ich zähle mich auch zu dieser großen Gruppe.) Damit sie sich später an diesen dann vergangenen Moment klammern können, anstatt ihn in dem Augenblick zu genießen und als tolle Erinnerung festzuhalten. 

Und genauso viele schauen fern in die Zukunft und versuchen ihr ganzes Leben zu planen. Erstmal die jungen Jahre genießen, die Welt bereisen, Hochzeit mit 27, zwei Kinder, ein nettes Haus am Stadtrand und da dann den Rest des Daseins verbringen. Warum (ver)planen so viele ihre eigene Zukunft? Vielleicht bietet sich plötzlich eine einmalige Gelegenheit, privat oder beruflich, die aber nicht in dein Konzept passt. Du nimmst sie nicht wahr und bereust es für den Rest deines Lebens. Es kommt eh alles anders, als man denkt. 

Ich reise gerade durch Thailand. Ich weiß nicht, wie lange ich noch auf Reisen sein werde oder wohin es mich als nächstes ziehen könnte. Und wenn ich dann wieder daheim bin, habe ich weder einen Job noch eine Idee, was ich machen möchte. Und ich habe auch nicht vor, mir während meiner Reise Gedanken darüber zu machen. Ich versuche, im Jetzt zu leben, die Zeit hier zu genießen. Irgendwann ist sie vorbei und dann möchte ich sagen können:

Ich habe die Zeit genossen und für mich das Beste aus ihr gemacht. 

Ich bin bereit

Es ist schon ein mulmiges Gefühl, ein Gefühl von Abschied und Aufbruch. Nach sechs Jahren bin ich jetzt arbeitslos. Sechs Jahre lang sind mir meine Arbeitskollegen immer mehr ans Herz gewachsen. Wir waren ein junges Team. Locker drauf, immer einen lustigen Spruch auf Lager, einfach untypische Bänker. Öfters haben wir das ein oder andere Bierchen oder den ein oder anderen Glühwein getrunken. Und sogar zusammen in den Urlaub gefahren sind wir. Wir waren viel mehr als Arbeitskollegen, wir waren – und sind – gute Freunde.

Dann dauert eine kleine Abschiedsfeier von den Arbeitskollegen auch eben mal bis 2 Uhr nachts. In kleiner Runde mit unglaublich spannenden und weltoffenen Diskussionen. Diese Gesprächsrunden vermisse ich jetzt schon… Genauso wie meine Freunde von der Arbeit. Deshalb war der Abschied schon ziemlich sentimental (bis zum dritten Bier…), auch wenn er meinem persönlichen Wunsch nach Veränderung entspricht. Ich glaube jeder Abschied passiert mit einem Beigeschmack von Wehmut.

Doch jetzt überwiegt die Vorfreude auf den kommenden Abschnitt meines Lebens. Die Freiheit, das zu tun, was ich möchte. Meine Reise soll nicht nur ein Aufbruch in eine neue Kultur, eine neue Welt sein, sondern auch ein Sprung meiner Persönlichkeit in neue Sphären. Ich werde meine Seele baumeln und mich inspirieren lassen von der atemberaubenden Natur und der für uns besonderen Lebensweise dieser fremden Kulturen. In wenigen Tagen beginnt dieses Abenteuer und ich kann sagen: Ich bin bereit.

Auszeit

Tausende Jugendliche und junge Erwachsene nehmen sich nach der Oberschule oder nach dem Studium eine Auszeit, um die Welt zu bereisen. Sie wollen fremde Länder und Kulturen kennenlernen und dadurch sowohl ihre sprachlichen Fähigkeiten, als auch ihren Horizont erweitern und fürs Leben lernen.

Nicht alle haben den Mut und das nötige Kleingeld, sich einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt zu gewähren. Kurz nach Abschluss der Schulausbildung haben die meinsten nur in den Ferien für wenige Wochen gearbeitet und das dabei verdiente Geld war wahrscheinlich schneller weg als gedacht. Deshalb ist es auch nur verständlich, dass viele junge Leute den Weg ins Berufsleben einschlagen und sich auf ihr erstes fixes Einkommen freuen.

Ähnlich war es auch bei mir. Ich habe kurz nach der Oberschule meinen damaligen Wunschberuf gefunden, der mir Spaß gemacht hat und wo ich mich schnell eingelebt hatte. Damals habe ich keinen Gedanken an ein Sabbatjahr, eine Weltreise oder an Work&Traveling verschwendet. Meine Prioritäten waren andere.

Durch Erzählungen von Freunden haben sich die Gedanken daran nach und nach eingeschlichen. Gleichzeitig hat sich im Beruf eine Routine entwickelt, die meine persönliche Entwicklung gebremst hat. Und auch die wenigen Wochen Urlaub haben ihren Effekt verloren, die Freude am Arbeiten wieder zu steigern. Nach fünf Jahren am Schreibtisch kam schließlich der Gedanke, diesen Lebensabschnitt zu beenden.
Ein Jahr habe ich diesen Gedanken in mir getragen und er hat mich fast zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte etwas ändern in meinem beruflichen Dasein, wusste aber keine Alternative, die mir sinnvoll und vor allem erfüllend erschien. Ich habe alle Möglichkeiten gedanklich durchgespielt und mich durch Foren und Fachlektüre gelesen, bis ich schließlich all meinen Mut zusammengenommen hatte zu kündigen.

Das war vor gerade einmal drei Tagen und ich fühle mich seither erleichtert und frei!
Was ich jetzt mache? Meine Auszeit nachholen, gegen die ich mich nach meiner Schulzeit noch entschieden hatte.

Wenn du nach sechs Jahren Bürojob kündigst, ohne neuen Job in Aussicht und vor allem ohne einen wirklichen Plan für die Zukunft, musst du dich aber auf Gegenwind gefasst machen. Kaum jemand in unserer überregulierten und teilweise engstirnigen Gesellschaft wird deinen Schritt gutheißen. Viele werden zwar deine Überlegungen verstehen, nicht aber den Entschluss, das sichere Einkommen aufzugeben. Aber ich bin immer noch relativ jung, habe in den letzten sechs Jahren etwas Geld auf die Seite legen können und bin ungebunden. Ich habe zuhause keine Verpflichtungen, die mich fesseln würden.

Es ist aber viel mehr als das; ein Schritt in die Freiheit. Neben der Freiheit beim Reisen möchte ich aber auch nachher unabhängig sein und das machen, was mir Spaß macht. Denn wahrscheinlich werde ich früher oder später wieder gezwungen sein, Einkünfte zu generieren. Doch das möchte ich machen wo ich will und wann ich will. Und vor allem sollte es mir Spaß machen. Wie mir das gelingen mag, kann ich noch nicht vorhersagen. Aber ich möchte meine Auszeit nutzen, meinen Kopf frei zu kriegen und um mir Gedanken darüber zu machen. Dann wird sich schon etwas ergeben.